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IT-Weiterbildung nach APO

Die neuen IT-Weiterbildungsberufe
Die im Mai 2002 verabschiedete IT-Weiterbildungs-verordnung revolutioniert die innerbetriebliche Weiterbildung. Sie regelt erstmals die Berufsbilder und Karrierewege in der IT-Branche und ermöglicht auch Quereinsteigern einen geregelten Berufsabschluss. 

Insgesamt 35 IT-Berufsbilder schaffen Transparenz für Personalverantwortliche und ihre Mitarbeiter. Die Weiterbildung geschieht direkt am Arbeitsplatz oder arbeitsplatznah und orientiert sich an realen Projekten.

Im System definiert sind drei Berufs- bzw. Karriereebenen. Die erste Ebene bilden die Spezialisten. Darauf aufbauend sind die operativen Professionals und schließlich die strategischen Professionals tätig.

IT-Spezialisten
Auf der Ebene der Spezialisten gibt es 29 Berufsprofile. Zum zertifizierten Spezialisten kann sich weiterbilden, wer in einem der neuen IT-Berufe ausgebildet ist oder aber über entsprechende berufliche Erfahrung verfügt. Der Nachweis des Spezialistenabschlusses erfolgt durch ein privatrechtlich geregeltes Zertifizierungsverfahren über eine von der Trägergemeinschaft für Akkreditierung (TGA) akkreditierte Zertifizierungsstelle z.B. CERT-IT.

Die Spezialistenberufe sind in die sechs Funktionsgruppen Technik, Softwareentwicklung, Lösungsentwicklung, Entwicklungsbetreuung, Produkt-/Kundenbetreuung und Lösungsbetreuung eingeteilt. Die Bandbreite der Berufsprofile erstreckt sich vom Multimediaentwickler über den IT-Trainer bis hin zum IT-Systemplaner. Mit den ersten Zertifizierungen auf Spezialistenebene kann im Frühjahr 2003 gerechnet werden.

Eine sehr gute Darstellung zu den IT-Spezialisten finden Sie unter:

http://www.kib-net.de/fix/profile/site/profile/index.html

 

Operative und strategische Professionals
Auf nächster Ebene befinden sich die operativen Professionals. Hier sind Weiterbildungen zum Geprüften IT-Entwickler, IT-Projektleiter, IT-Berater und IT-Ökonom möglich. Die Prüfungen werden von den Handelskammern abgenommen. Zur Prüfung kann zugelassen werden, wer über eine abgeschlossene Erstausbildung und entsprechende Berufserfahrung verfügt. Dabei variiert die Länge der geforderten Berufserfahrung mit dem IT-Bezug der abgeschlossenen Ausbildung. Hat der Weiterzubildende keine abgeschlossene Lehre, so werden die Zertifizierung als IT-Spezialist oder eine inhaltlich gleichwertige Qualifikation ebenfalls anerkannt.

Den Bereich der strategischen Professionals bilden der Geprüfte Informatiker und der Geprüfte Wirtschaftsinformatiker. Voraussetzungen für die Weiterbildung sind hier ein Abschluss als Operativer Professional gefolgt von mindestens zweijähriger einschlägiger Berufspraxis oder ein erfogreich absolviertes Studium, das der Informations- und Telekommunikationstechnik zugeordnet werden. Im zweiten Fall sind die Kenntnisse im Bereich Mitarbeiterführung und Personalmanagement zusätzlich nachzuweisen. In beiden Fällen sind englische Sprachkenntnisse erforderlich. Mit dem IHK-Abschluss auf strategischer Ebene ist gleichzeitig die Ausbildereignungsprüfung bestanden.

Im System mit angelegt ist der Brückenschlag zu den Hochschulen: Die auf Professional-Ebene erworbenen Leistungen sollen über Credit Points auch als Studienleistungen anrechenbar sein.

Durchlässigkeit
Alle drei Karriereebenen sind durchlässig gestaltet. Durch Nachweis der entsprechenden Berufserfahrung wird Mitarbeitern der Weg in die jeweilige Berufsebene freigemacht. Den Personalentwicklern einer Branche, die stark von Quereinsteigern und Studienabbrechern geprägt ist, eröffnet sich damit erstmals die Möglichkeit, ihren Fachkräften geregelte Berufsabschlüsse anzubieten und interne Karriereperspektiven klar zu definieren.

Für alle Berufsabschlüsse wurden sowohl deutsche als auch englische Bezeichnungen gewählt. Die englischsprachigen Begriffe sollen der Transparenz auch auf internationaler Ebene einen Vorschub leisten.

Weiterbildung im Betrieb
Das neue IT-Weiterbildungssystem folgt dem Ruf der Branche nach praxisnaher Weiterbildung. Zu den einzelnen Berufsbildern hat das Fraunhofer Institut für Software und Systemtechnik (ISST) in Kooperation mit Betrieben und Bildungsanbietern prototypische Referenzmodelle entwickelt, die den Arbeitsabläufen im Betrieb entsprechen. Mitarbeiter/innen, die einen Abschluss anstreben, führen im Rahmen einer tatsächlichen Auftragsabwicklung im Betrieb ein sogenanntes Transferprojekt durch. Dieses muss mit dem vorgegebenen Referenzprojekt möglichst hohe Deckungsgleichheit erreichen.

Der Weiterzubildende realisiert sein Transferprojekt im betrieblichen Ablauf. Ein Coach sowie ein Ansprechpartner für fachliche Fragen begleiten den Lernprozess. Den Prozessablauf dokumentiert die Fachkraft nach entsprechenden Vorgaben und weist damit auch Dokumentationsfähigkeit nach. Umsetzung und Dokumentation sind Grundlage für die Zuerkennung des jeweiligen Berufsabschlusses. Am Ende der Weiterbildung steht ein prüfendes Fachgespräch, das inhaltlich an das dokumentierte Transferprojekt anknüpft.

Im Professional-Bereich ist der theoretische Part der Prüfung stärker gewichtet: Auf operativer Ebene kommt die Präsentation des praxisrelevanten Projektes durch den Prüfungskandidaten hinzu. Die Prüfung auf strategischer Ebene setzt sich aus der Dokumentation und Besprechung einer Fallstudie (Business Case), einer Situationsaufgabe zu Geschäftsprozessen in internationalen Zusammenhängen und einem situationsbezogenen Gespräch zum Thema "Strategisches Personalmanagement" zusammen.

Arbeitsprozessorientierung durch Arbeitsplatznähe
Die Spezialisten-Weiterbildung kann nach dem APO-Konzept auch arbeitsplatznah gestaltet werden. Da das neue System voll auf die betriebliche Praxis setzt, sind in diesem Falle enge Kooperationen zwischen Bildungsanbietern und Betrieben notwendig.